Montag, 28. Juli 2014

Ein Interview mit M. S. Kelts


Die Autorin des Überraschungserfolgs Loving Silver, M. S. Kelts, beantwortete unsere Interviewfragen.

Liebe M. S.!

1.) Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich habe vor Jahren ein Buch von Anne Rice gelesen, in dem sie meinem Lieblingsvampir übel mitgespielt hat. Das hat mich so verärgert, dass ich beschloss selbst ein Buch nach meinem Geschmack zu schreiben. Völlig blauäugig habe ich es beim Ullstein Verlag eingereicht. Wurde natürlich nicht genommen, aber sie haben mir Mut gemacht weiter zu schreiben. Die Reise bis hier her, war aber lang und mühsam und eigentlich habe ich das meiste für meine Schublade geschrieben, weil ich überkritisch bin.

2.)Wie schreibst du? (Computer, alte Schreibmaschine, zuerst per Hand?)

Früher habe ich von Hand geschrieben, es dann aber sein lassen, weil meine Finger per Stift meinen Gedanken nicht hinterher kamen. Jetzt tippe ich alles sofort in den Pc, oder, wenn ich unterwegs bin, in mein Netbook. Es kann sogar sein, das man mich im Arztwartezimmer schreibend antrifft. Wenn ich unterwegs bin, habe ich es immer dabei. Mir ist letztens aufgefallen, dass ich es früher im Koffer hatte, als meine Zahnbürste!

3.) Welches Getränk trinkst du am liebsten während des Schreibens?

Wenn ich morgens schreibe steht immer ein riesen Pott mit Milchkaffee auf dem Schreibtisch und Mineralwasser ist immer in Reichweite. Gummibärchen und Ähnliches ist äußerst gefährlich. Ich habe die Sachen so weit weg geräumt, das ich aufstehen müsste, um ran zu kommen. Die Strategie funktioniert: das Schreiben gewinnt zu 99%, was wesentlich gesünder ist.

4.) Kannst du überall schreiben oder ziehst du dich dafür immer in deine 'Schreibstube' zurück?

Eigentlich kann ich überall schreiben, es muss nur leise sein. Kann ich gegen den Lärmpegel nichts machen, setze ich meinen Ipod auf und sperre die Umwelt aus.
Da ich aber ein typischer Nachtschreiber bin, verschlägt es mich doch meistens an meinen Schreibtisch, von dem ich, wenn es nicht meist Nacht wäre, einen tollen Blick auf einen Walt habe.
Im Sommer, gerade wenn es heiß ist, kann es auch sein, dass ich quer durch den Garten ein Kabel lege und unter einen Apfelbaum meinen PC bearbeite.

5.) Hast du optische Inspirationshilfen, beispielsweise Poster oder Kunstdrucke von alten Gemälden, vielleicht eigene Fotos?

Mir reicht eigentlich schon ein Blick ins Grüne, um die Gedanken schweifen zu lassen. Ich hole mir meine Inspiration eher über andere Sinne, wie zum Beispiel Musik. Jedes meiner Bücher hat eine Andere, was bei ‚Silver‘ recht witzig war, da ich oft Duddelsackmusik laufen lies.
Ansonsten kommen mir über Gerüche auch viele Ideen. Ein Buch spielt in der Karibik, da passt Kokosnuss ganz gut und ‚Silver‘ hat irgendwie was Schokoladiges …
Obwohl, inzwischen hängt das Cover von ‚Silver‘ als Poster über meinem Schreibtisch, als Motivationshilfe.
Die meisten Ideen kommen mir, wenn ich mit meinen Hunden unterwegs bin. Wenn mich dabei jemand sieht, denkt der ich hätte einen Vogel. Ich spreche meist laut ganze Dialoge nach und gestikuliere dazu recht heftig. Aber der Zweck heiligt ja bekanntlich alle Mittel.
Sollte ich also mal in einer Szene hängen, hilft mir das ungemein.

6.) Erzähl uns ein wenig über deinen Schreibprozess! Wie gehst du beispielsweise mit Schreibblockaden um? Sammelst du Ideen auf Karteikarten? Benutzt du Techniken der Ideenfindung? Wenn ja, welche?

Schreibblockaden kenne ich bis jetzt noch nicht. Eher im Gegenteil, ich habe den Kopf so voller Geschichten, dass ich gar nicht weiß wo ich die Zeit dafür her nehmen soll.
Notizen mache ich mir, wie gesagt, nur über die Protagonisten. Alles Weitere habe ich im Kopf und aufschreiben lohnt meist nicht, da sich die Geschichte weiterentwickelt und verändert.
Ansonsten schreibe ich meine Sachen von Anfang bis Ende durch, ziehe also keine Szenen vor und fülle hinterher auf. Das mag ich gar nicht, weil sich vieles erst während des Schreibens offenbart. So war Michaels Model- und Pornokarriere überhaupt nicht geplant.
Mir fallen auch meistens die kompletten Geschichte ein und nur Details kommen später hinzu. So kann es gut sein, das ich nach einem Spaziergang eine vollkommen neue Idee habe, die sich momentan, aber leider hinten anstellen muss. Und dann muss ich aufpassen, dass aus einem geplanten Manuskript nicht plötzlich mehrere werden, weil mir währenddessen die Fortsetzungen dazu einfallen.
Mir ist wichtig, dass jede Szene nachvollziehbar und genau ist. Ich möchte, dass der Leser während er es liest genau die Bilder davon vor Augen hat. Deshalb feile ich manchmal recht lange an einer Sequenz herum, ehe ich zufrieden bin. Details sind mir extrem wichtig und die Gefühle meiner Protagonisten. Das ist für mich das Spannende am Schreiben: Ich will ganz genau wissen wie es ihnen in jeder Szene geht, was sie empfinden, warum sie was tun…

7.) Schreibst du jeden Tag (Typ: emsige Schreibbiene) oder eher sporadisch?

Ich versuche schon jeden Tag zu schreiben. Wenn es mal nicht klappt, dann gehe ich zumindest abgearbeitete Sachen durch und suche nach Fehlern und krummen Sätzen. Klappt es ein paar Tage nicht, werde ich kribbelig. Ich brauche das Schreiben zur Entspannung. Mir geht es richtig gut, wenn ich für Stunden in meinen Welten verschwinden kann.
Nur wenn ich beruflichen Stress habe, kann es sein, das ich mich dazu zwinge mal einen Abend vor dem Fernseher mit Stricken zu verbringen. Meine Finger müssen irgendwie immer in Bewegung sein. Aber nach spätestens einem Tag Frei, ist auch die Schreibpause zu ende.

8.) Hast du eine oder mehrere reale oder nur in der Fantasie existierende Musen? Und wenn ja, ist deine Muse männlich, weiblich oder beides? Ist sie vielleicht ein Tier?

Also, ob man das nun Muse oder eher Sklaventreiber nennen kann, weiß ich nicht genau. Er ist männlich und nicht real. Typ keltischer Priester (Nein, kein Kilt, sondern langer schwarzer Mantel). Er begleitet mich schon mein ganzes Leben und kann ganz schön selbstgefällig sein. Ich habe oft den Verdacht, dass er meine Personen absichtlich in völlig neue Richtungen schubst und meine Haare dadurch ergrauen lässt.
Ansonsten sind meine beiden Hunde meine Musen. Iskander ist hervorragend auf meinen PC konditioniert, sobald ich etwas abspeichere und das charakteristische Ping ertönt, schießt er zu mir und fordert Aufmerksamkeit. Beide zusammen schaffen es mich loszueisen und durch einen Spaziergang kann ich mich danach wieder umso besser konzentrieren. Und ich mag es sie zwischendurch zu verknuddeln, das entspannt ungemein.

9.) Hast du Lieblingsbücher und Lieblingsschriftsteller?

Anne Rice hat mich mit ihren frühen Lestatbüchern sehr beeinflusst. Ich mag die dichte Atmosphäre darin und die detaillierte Beschreibung der Szenen. In jüngerer Zeit hat mich Jacqueline Carey und ihre ‚Kushiel‘ Saga schwer beeindruckt. Und das Buch: ‚Ein Weltreich zu erobern‘ von Mary Renault. Die Liebesgeschichte zwischen Alexander dem Großen und seinem Diener Bagoas. Ein Wahnsinnsbuch. Hat mich so gefesselt, dass ich meinen Hund Iskander getauft habe.

10.)Welches Buch sollte man deiner Meinung nach als Autor unbedingt gelesen haben?

Ich glaube jedes Genre hat seine eigene ‚Bibel‘. Ich persönlich finde es gut, wenn man ‚Herr der Ringe‘ gelesen hat. Das ganze Drumherum, die Genauigkeit und Tiefe des Buches und die extra dafür erfundene Sprache, Wahnsinn! Ansonsten finde ich es wichtig, dass man viel Unterschiedliches liest. Für mich ist ein Buch gut, wenn es mich inspiriert und anspornt meine eigenen Sachen noch besser zu machen.

11.) Zum Schluss: Hast du ein Lebensmotto?

„Ein Koffer voller Träume und Fantasien ist ein Gepäckstück, das man Zeit seines Lebens nicht verlieren sollte.“
Mein Koffer stand lange auf dem Dachboden und verstaubte. Ich bin froh, dass ich ihn wieder runter geholt habe und sorge dafür, dass er nie wieder dort oben verschwindet.

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