Dienstag, 29. Juli 2014

Gibt es eigentlich auch Männer, die unter einem weiblichen Pseudonym Gaybooks schreiben?

Durch eine Diskussion bei Facebook bin ich auf einen Artikel bei der Huffington Post über eine amerikanische Autorin aufmerksam geworden, die durch miese Freunde im engsten Kreis als Gayautorin in einem sehr konservativen Umfeld geoutet worden ist (fies!). Ehrlich gesagt finde ich das Verhalten des Pfarrers sehr befremdlich, wird aber wohl in konservativen Gemeinden auch heute noch vorkommen, dort, wo der Mann noch als Oberhaupt der Familie gilt und dann die Frau zur Räson bringen soll. Aber nicht feministisch möchte ich mich heute äußern.

Meine oben gestellte Frage mag auf den ersten Blick seltsam erscheinen, aber erklärt sich aus meiner Beobachtung, dass die schwulen Verlage wie Bruno Gmünder, Himmelstürmer, Männerschwarm und Querverlag (habe ich einen vergessen?) auch einen schwul-kämpferischen Hintergrund haben. Sie wurden in einer Zeit gegründet, als es für schwule Verleger noch nicht so leicht war, Banken, Druckereien und Werbepartner von ihrem Konzept zu überzeugen, ihnen wurden Vorurteile und Hürden in den Weg geräumt. Vielleicht gab es sogar Angriffe wie eingeschlagene Fensterscheiben von Läden und Farbbeutelattacken, was weiß ich.

Männergeführte schwule Verlage verstehen sich auch als Sachwalter der Dokumentation schwuler Lebensart, als Publizisten für die ernste, bedeutende schwule Literatur. Wenn jetzt also ein schwuler Mann aus diesem Umfeld mit einem reinen Unterhaltungsroman, einer schnuckeligen Gayromance ankommt, um sich auch die weibliche Leserschaft zu erschließen, wird er vielleicht befürchten, von seinen Kollegen und Freunden aus der Mitte schwuler Gemeinden nicht für ganz voll genommen zu werden.

Was tut er dann? Sich ein weibliches Pseudonym zulegen und heimlich an seinem üblichen Verlag vorbei selbst E-Books bei Amazon veröffentlichen? Mit den romantisch veranlagten Verlagen "fremdgehen"? Ich weiß es nicht, habe kein Beispiel im Sinn, aber diese Frage kam mir. Was meint ihr dazu?

Kommentare:

  1. Das Verhalten des Pfarrers ist mehr als befremdlich. Ich selbst habe schon ähnliches erlebt, allerdings eher hintenherum...Was den Pfarrer betrifft, ich sehe dies als Einmischung ins Privatleben. Und dort gehört die Kirche nicht hin.....
    Ich fragte mich beim durchlesen des Artikels oben, was schwule Lebensart genau ist. Und ob man sie unbedingt dokumentieren muss. Im Grunde ist es Leben überhaupt, was sich nur in Nuancen zu Heteros unterscheidet.
    Ernste, bedeutende, schwule Literatur...hm, man möge mir meine Unkenntnis verzeihen...vielleicht klärt mich jemand darüber auf?

    "Wenn jetzt also ein schwuler Mann aus diesem Umfeld mit einem reinen Unterhaltungsroman, einer schnuckeligen Gayromance ankommt, ..."
    Was tut er dann? Bzw. was sollte er dann tun?
    Da gibt es zwei Möglichkeiten:
    Erstens, dazu stehen!
    "Seht her, ich hab das geschrieben und ich stehe dazu. Ich kann das! Und nein, ich bin deswegen kein Weichei. Ich sehe die Dinge, wie sie sind. Und in dem Moment des Schreibens, waren genau diese Gedanken eben in mir."
    Er ist deswegen kein Weichei, bloß weil er sich Gefühlen hingab, die ihn im Augenblick des Schreibens überfielen.

    Zweitens ...Ein weibliches Pseudonym zulegen? Kann er gerne machen. Wenn er sich dabei wohler fühlt ...wenn er damit zurechtkommt, das ihm Männer sagen, er hätte doch keine Ahnung, wie Schwulsein funktioniert...die Frage ist dann, wie er reagieren möchte oder reagieren kann...

    Im Endeffekt kommt es für mich auf den Inhalt eines Buches an. Und nicht, ob es ein Mann oder eine Frau schrieb. Fan bin ich vom Schreibenden an sich. Nicht von seinem Geschlecht!

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  2. Schwer zu sagen, da man ja selten hinter die Pseudonyme blicken kann. Aber ich halte es für möglich. Bei den deutschen, schwulen Autoren wohl eher unüblich möchte ich meinen. Sie werden von der Gay-Books Fangemeinde ohne weiteres auch akzeptiert wenn sie männlich sind. Im Grunde kommt es doch nur darauf an wie gut die Bücher sind, oder? :)

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