Sonntag, 27. Juli 2014

Gleitgel in der Gayromance oder wie viel Fingern muss wirklich sein?

Bei manchen Autoren bin ich sofort dabei, wenn sie eine Gleitgelszene so selbstverständlich beschreiben, dass man spürt, sie gehört einfach dazu, wirkt natürlich und kann durchaus ein prickelndes erotisches Vorspiel sein. Die Autoren gleiten quasi ohne großes Aufheben in die Szene, d.h. in den eigentlichen Akt hinein.
Rückt der Autor die Tube in den Mittelpunkt, weil es schnell gehen muss, (Darkroom, z.B. rasch die Tube gegriffen, Gleitgel auf den Finger verteilt und ran an den Speck …) dann wiederum finde ich es interessant und wichtig, wird sie erwähnt.

Wenn man mal nicht das Klassische beschreibt, bei dem man das Klicken des Verschlusses hört, finde ich das noch einen Tick interessanter. Denn es gibt ja noch einige Varianten mehr, was man zum Gleiten nutzen kann …Öle, diverse Cremes …ich ließ mir sagen, dass Sonnencreme Gleitgel durchaus ersetzen kann …ist jedoch wenig ratsam, im Zusammenhang mit Kondomen. Wie auch immer, Mann ist erfinderisch und weiß genau, wann, was und überhaupt.

Alles in allem ist es der Leser, der entscheidet.

Wie viel Fingern muss wirklich sein? Ich finde, dass man das nicht pauschal beantworten kann.
Um es plump zu sagen: Kein Hintern ist wie der andere …Ergo reagiert jeder anders. Dem einen reicht ein Finger zum Abheben, auch wenn er nur wenig hinein geschoben wird. Ein anderer braucht den ganzen Finger in sich. Einem Dritten gefällt es vielleicht, wenn der Partner zwei oder drei Finger in ihn schiebt.
Hinzu kommt die Frage: Wie reagierten die Protas vor dem Sex aufeinander?
Sind sie schon längst bereit, Sex zu haben? Agieren sie hektisch, ungestüm? Dann ist Fingern wohl eher zuviel Anreiz, wenn Mann durch den Schwanz des Partners kommen möchte. Sind die zwei Partner so drauf, das sie ausgiebig Zeit haben, kann es zu einem recht netten Vorspiel werden. Auch könnte es sein, das es der eine regelrecht braucht, um in Stimmung zu kommen.
Und es soll sogar Menschen geben, die mögen keine Finger in sich. Oder sie brauchen diese Art von Vorspiel nicht, um zur Sache kommen zu können.

Die Frage ist also, wie im Endeffekt die Situation in Worte gekleidet wird. Kommt sie sanft, ja diskret daher? Liebevoll, zärtlich? Oder ist sie zielgerichtet und unverblümt?

Empfindet der Autor sie als schwierig zu beschreiben? Denkt er daran, dass es eigentlich ein Tabuthema ist? Denn bei den meisten Menschen ruft es Ablehnung hervor, sich Finger (oder anderes) in den Anus schieben zu lassen. Dann spürt man es …es liest sich unecht, die Szene kommt nicht glaubhaft daher.
Ein Thema, das von vielen tabuisiert wird, da auf dieses "Thema" ein weitaus schwierigeres folgt. Weil fingern ist eine Sache...der eigentliche Akt, eine andere.

Ist die Szene so beschrieben, dass mich als Leser ein sinnliches Kribbeln erreicht, dass ich meine, „der Eine“ zu sein, dann ist das Ziel erreicht. Der Autor hat dieses Tabu außer Kraft gesetzt. Er stellt die Situation als selbstverständlich und natürlich dar. So wie sie eben ist oder sein sollte.
Ich persönlich gehe gerne auf Fingerspiele ein, weil man enorm viel darin sehen kann. Die Umgebung der Beiden, ihre Gesichter, ihre Körperhaltung. Wie sie miteinander sprechen, ob sie sich fallen lassen …

Es gibt eine Menge Autoren, die sich beim schreiben fallen lassen können und das dem Leser in ihren Büchern transportieren. Und das finde ich, ist eine Gabe.

Der Gastbeitrag stammt von Karolina Peli.

Kommentare:

  1. Hui, ein sehr interessanter Beitrag!
    Das ist ein Thema, das mich auch schon des Öfteren beschäftigt hat.

    Da es zum "Vorspiel" gehört, außer natürlich man mag das nicht, finde ich es immer sehr wichtig, dass es auch dabei ist und vom Autor mit in die Erzählung aufgenommen wird.
    Gleitgel ist ja ein essentieller Bestandteil beim Analverkehr und auch im Gay Genre :)
    Mir kommt es eher merkwürdig vor, wenn es mal nicht auftaucht.

    Ich hab neulich ein Buch gelesen, da kam es immer direkt zur Sache, ohne Vorbereitung. Entweder hat die Autorin das unterschlagen oder es war Unwissenheit. Wenn es schnell gehen soll, kann das ja mal passieren. Da finde ich das auch ganz gut, wenn das dann so roh und animalisch dargestellt wird. Aber da war es ständig so und das tat mir dann schon beim Lesen weh.

    Manchen AutorInnen schaffen die Vorbereitung in wenigen Worten und sehr fließend einzubinden und zwar so, dass es auch bei mir beim Lesen kribbelt. Und das ist wichtig. Es soll ja nicht nur die Protas erregen, sondern auch mich. Ich will ja schließlich ein Buch fühlen.

    Die Länge und Ausgiebigkeit des Fingerns ist abhängig vom Ort des Geschehens und natürlich der Dringlichkeit. Wenn man in ner Umkleidekabine Sex hat bzw. allgemein in der Öffentlichkeit, dann muss es schnell gehen. Oder wenn man extremen Druck hat.

    Aber wenn man Zeit hat, dann finde ich es auch schön, wenn es mal länger dauert und man genau drauf eingeht, wie die beiden Protas reagieren. Wie sie sich ins Laken krallen, stöhnen und sich dem Partner entgegen recken.

    Auf der anderen Seite gibt es AutorInnen, die es schaffen, diese Vorbereitung dermaßen steril zu beschreiben, dass es mich völlig kalt lässt. Das finde ich schade.
    Ich weiß auch nicht an was das liegen könnte. Stil des/r Autor/in? Hemmungen? Unwissenheit?

    Wenn sich Autoren fallen lassen, dann finde ich das grandios, denn dann kann ich das auch beim Lesen.

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    1. "Wenn sich Autoren fallen lassen, dann finde ich das grandios, denn dann kann ich das auch beim Lesen."

      Ob nicht gerade die Szene, die so locker und leicht wirkt, für den Autor die schwerste war?

      Fingerspiele als Vorspiel im Roman finde ich persönlich eher ... hm ... so als Pflichtteil. Sie kommen mir meistens standardisiert vor. Oft (nicht immer) sind sie für mich die langweiligsten Stellen des Romans. So unterschiedlich sind die Geschmäcker und ich habe voller Neugier deinen Kommentar dazu gelesen (und Karolinas Gastbeitrag).

      LG
      Norma

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    2. Mh, ich weiß nicht, ob das die schwersten Szenen sind.
      Ich hab jetzt zwei kürzere Geschichten zusammen mit ner Freundin geschrieben und sitze derzeit an meiner ersten eigenen düsteren Gay Fantasy und finde alle Szenen schwer. Man weiß ja nie, wie der Leser darauf reagiert. Kommt sie so an wie vorgesehen oder wird sie komplett anders aufgefasst? Das ist echt schwierig.

      Na ja, die Geschmäcker sind halt verschieden.
      Für mich sind das jetzt nicht die Hauptszenen, aber wenn sie toll gemacht sind, hab ich auch meinen Lesespaß.
      Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass es z. Bsp. bei Genre-Neueinsteiger nicht so gut ankommt und gerade ausführliche "Finger"-Spiele überfordern.

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