Sonntag, 24. August 2014

Das Pu-Dilemma oder Tiefe ist etwas für Apnoetaucher

Kennt ihr den Film Notting Hill mit Julia Roberts und Hugh Grant? Hugh führt dort einen kleinen Laden für Reiseliteratur, was krass offensichtlich ist, weil es in dem Laden und im Schaufenster nur Reisebücher gibt. Eines Tages kommt ein Passant in den Laden und fragt ihn:
„Haben Sie den neuen Grisham?“
Höflich antwortet Hugh, dass er nur Reiseliteratur hat.
Der Mann nickt, denkt einen Moment nach und fragt dann:
„Und Pu der Bär?"

Immer öfter habe ich das Gefühl, in dieser Szene praktisch gefangen zu sein, im übertragenen Sinne natürlich. Ich schreibe Erotik, E R O T I K. Meine Bücher haben keinen Anspruch und sie geben auch nicht vor, welchen zu haben. Ich schreibe keine Bücher von Shakespeareschen Qualitäten und ich lasse mich auch nicht von griechischen Tragödien inspirieren. In meinen Büchern poppen die Figuren – und zwar heftig und viel. Sie sind mitunter promisk und das schreibe ich mittlerweile in die Klappentexte, damit erst gar keine Missverständnisse aufkommen.

Warum suchen also Leser ausgerechnet in meinen Büchern etwas, was sie darin nicht bekommen? Romantik zu zweit mit Treueschwüren, zärtliche Liebe, Unschuldslämmer beim ersten Mal, Niveau, Tiefe?

Tiefe ist etwas für Apnoetaucher. Bei mir gibt es Geschichten für den schnellen erotischen Gebrauch. Ich schreibe Bücher für Leute, die die Hände in den Schoß legen und dabei nicht untätig sind. Ich greife teilweise sexuelle Spielarten in meinen Büchern auf, die andere nicht mit der Kneifzange anfassen, die ihnen brisant oder zu brutal sind, vielleicht zu unromantisch. Wenn es bei mir SM gibt, dann patschen sich die Figuren nicht ein bisschen mit Paddeln auf das Pöpöchen. Wenn meine Figuren schnellen Sex wollen, dann ist er auch schnell und heftig und wird nicht hundert Seiten lang vorbereitet. Wenn eine Figur die andere bittet: „Fick mich hart“, dann tut die andere Figur das auch.

Das alles ist kein Geheimnis, ich gehe ganz offen damit um. Bitte, bitte, bitte, liebe Leserin, lieber Leser. Wenn du Pu der Bär lesen willst, dann geh WOANDERS hin!

In welchem Dilemma steckt ihr, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Leserschaft?

Kommentare:

  1. Puh, ein interessantes Thema.
    Aber vorher muss ich noch was loslassen. Hugh Grant ist für mich einer der, mit Anstand, unerotischten Schauspieler.
    Aber weiter im Text.

    Ich bin es langsam gewohnt, dass nicht immer der Inhalt im Buch steckt, der vorab angepriesen wurde.
    Aber wenn es klar und deutlich von Titel, Klappentext und möglicherweise Cover abzulesen ist, dann sollte man sich nicht wundern.

    Ich persönlich lese kaum Erotik. Ich steh eher auf Apnoe-Tauchen :) Viel Gefühl und viel Handlung. Romantik und Drama.

    Mein Problem bei der Erotik, und das beziehe ich jetzt nicht nur aufs Gay-Genre, sondern auch auf die heterosexuellen Erotik-Geschichten, ist, dass der Übergang von Erotik und Billigporno sehr fließend ist. Es ist teilweise nicht ganz so einfach niveauvolle Erotik zu finden.

    Liebe Grüße
    Ramona


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  2. Vielleicht liegt es daran, dass man dann doch zuviel Tiefe in den Roman einbauen will/tut und schlussendlich ist die Geschichte weder Fisch noch Vogel ist?

    Erotik ist immer sehr subjektiv - wenn einem selbst etwas gefällt, heisst das noch lange nicht, dass es auch die Leserschaft erotisch findet und wenn die Erotik nicht mehr passt, wird sie nur noch ermüdend.

    Ich mag z. B. keine plüschige Romantik oder zuckersüsse Charakteren, der Sex bei meinen Figuren darf auch mal grob und schnell sein. Aber ganz ohne Gefühl und einer speziellen Art von Romantik geht es auch bei mir nicht - will ich auch nicht.

    Ich glaube, wenn man sich selber beim Schreiben treu bleibt, sammelt man mit der Zeit auch automatisch die Leserschaft um sich, die mit der Art Geschichten zurecht kommt und sie auch liebt.

    Da ich zum Glück nicht im geringsten auf die Einnahmen meiner Geschichten angewiesen bin, kann ich ganz kompromisslos so schrieben wie ich will. Dafür mache ich auch den Hinweis in der Buchbeschreibung. Niemand kann also sagen, dass er nicht vorgewarnt wurde.

    Ach ja, ich warte immer noch auf eine vernichtete Rezension auf mein Buch - bis jetzt vergeblich!

    Liebe Grüsse

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