Montag, 4. August 2014

Gschmäckle oder wenn Autoren Bücher empfehlen bzw. rezensieren - Die Kunst der Zweigleisigkeit

Als We love Gaybooks als Idee vielleicht 24 Stunden alt war, gab es schon einen Kommentar, dass es ein Gschmäckle habe, wenn Autoren die Bücher anderer Autoren empfehlen, vielleicht sogar eine Rezension dazu schreiben.

Das kann man so sehen, muss es aber nicht, so, wie andere Kritiker auch keine Probleme damit haben, selbst Bücher zu schreiben, Elke Heidenreich ist das bekannteste Beispiel dafür und Kossi von Kossis Welt hat auch schon einen Unterhaltungsroman geschrieben. Roger Willemsen hat laut Wikipedia eine Sendung namens Literaturclub im Schweizer Fernsehen gemacht. Muss ich erwähnen, dass er selbst Bücher schreibt?

Wir lesen Bücher und wir schreiben Bücher. Nicht wenige von uns äußern sich auch öffentlich zu Büchern anderer Autoren, mal sind mehr freundschaftliche Bande dabei, manchmal weniger, hin und wieder lebt auch jemand seine spezielle Feindschaft zu einem bestimmten Autor aus. Selbst Autor zu sein, disqualifiziert einen nicht automatisch, Kolleginnen und Kollegen zu rezensieren. Und es hat auch kein Gschmäckle, wenn die Rezension gut begründet ist. Stellen wir uns vor, in unserem Genre würden wir einander nicht mehr rezensieren oder den einen oder anderen Buchtipp öffentlich kundtun. Dann gäbe es für uns praktisch gar keine Rezensionen mehr. Da muss man ja nur ein bisschen die Augen offen halten, wer von uns wen rezensiert. Erstaunlicherweise kommen bei aller Begeisterung für die Werke der Freundinnen und Freunde, der lieben Kolleginnen und Kollegen oft gut begründete und sachliche Rezensionen zustande, die den Leserinnen wirklich weiterhelfen können.

Rezensionen haben immer auch eine emotionale Grundlage, es gibt keine sachlichen, neutralen Rezensionen. Wer das als Ideal fordert, der muss sie von einem Roboter schreiben lassen. Und selbst solche Rezensionen wären nicht sachlich, weil hinter jedem Analyseprogramm jemand steckt, der die Liste zu berurteilenden Punkte in dieses Programm eingibt.
Freilich gibt es da und dort im Internet Ratgeberseiten, die einem sagen, wie man eine Rezension idealerweise zu schreiben hätte. Aber wer von uns sich regelmäßig mit Rezensionen befasst, der weiß zumindest theoretisch, wie man in einer höflich gegossenen Form ganz nach Vorschrift des jeweiligen Ratgebers ein Buch zu Schnecke machen kann, es mit messerscharfen, aber höflichen Worten in der Luft zerreißt und der Autor kann nicht einmal wettern, dass diese Rezension nicht gut begründet wurde oder zu unhöflich bzw. zu feindlich ist.

Die Kunst der Zweigleisigkeit liegt darin, sich für die jeweilige Rolle eine Art Kappe aufzusetzen. Ich bin jetzt Autor / ich bin jetzt Rezensent. Wer eine Rezension mit einem Lächeln schreibt, der liegt meistens richtig, wer sie mit grummeligen Zornesfalten auf der Stirn verfasst, sollte sie lieber noch ein oder zwei Wochen, besser noch, einen Monat liegen lassen. Vielleicht sieht danach die Welt schon wieder ganz anders aus.

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