Sonntag, 1. Februar 2015

Interview mit Lena Seidel


Anlässlich des Erscheinens ihres Buchs Quarthiumkrieg I - Drachengen habe ich die Autorin Lena Seidel interviewt. Das Buch ist in vielen Shops erhältlich, bei Amazon [hier].

Lena Seidel und Social Media:

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1.) Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Zum Schreiben bin ich gekommen, wie die Jungfrau zum Kind … Vor etwas mehr als zehn Jahren bat mich eine Brieffreundin, ihr aus dem Internet auf einer Seite für Fanfictions einige Geschichten auszudrucken. Natürlich war ich neugierig, was das überhaupt ist und was da so geschrieben wird. Neben wirklich hervorragenden Geschichten gab es auch furchtbar schlechte und bei denen dachte ich mir: „Das kannst du besser!“ So habe ich begonnen, ebenfalls Fanfictions zu schreiben. Über die Jahre kamen auf diese Weise über fünfzig FFs zusammen, die immer mehr Romanform annahmen. Als ich schließlich Simone Singer kennenlernte und mit ihr zusammen schrieb, hatten wir die Idee zu den Wächterdämonen – und waren von dem Ergebnis so überzeugt, dass wir das Manuskript bei einem Verlag einreichten.

2) Wie schreibst du? (Computer, zuerst per Hand?) und mit welcher Software, vielleicht eine Software speziell für Autoren?

Meine Ideen zeichne ich in einem Heft in Stichworten per Hand auf, den Rest schreibe ich am Laptop. Die Charaktere lege ich mit yWriter an, für das Manuskript selber benutze ich Open Office. Ich habe auch Papyrus auf dem Laptop, aber dieses Programm verwende ich nur ausgesprochen selten.

3.) Welches Getränk trinkst du am liebsten während des Schreibens?

Ganz klar: Energydrinks.

4.) Kannst du überall schreiben oder ziehst du dich dafür immer in deine 'Schreibstube' zurück?

Am liebsten schreibe ich im Wohnzimmer, mit meinem Hund neben mir, aber wenn es sein muss, kann ich überall schreiben, solange es leise ist. Bei Ablenkung in Form von Radio, TV oder Gesprächen bekomme ich einen Koller.

5.) Hast du optische Inspirationshilfen, beispielsweise Poster oder Kunstdrucke von alten Gemälden, vielleicht eigene Fotos?

Nein, die habe ich nicht. Aber die Idee ist gar nicht schlecht.

6.) Erzähl uns ein wenig über deinen Schreibprozess! Wie gehst du beispielsweise mit Schreibblockaden um? Sammelst du Ideen auf Karteikarten? Benutzt du Techniken der Ideenfindung? Wenn ja, welche?

Ach je! Meistens habe ich in den unmöglichsten Situationen – beim Arzt im Wartezimmer, beim Autofahren, beim Kochen usw – die Idee für eine Szene. Diese Szene wird gedanklich ausgebaut, dabei schreibe ich mir Stichpunkte auf. Dieser Ausbau kann über Wochen und Monate vonstatten gehen, bis ich irgendwann eine mehr oder weniger fertige Geschichte im Kopf habe. Erst dann beginne ich zu schreiben. Da ich dabei meistens bereits vollständige Szenen oder Dialoge gedanklich vor mir habe, fühlt sich das oft an, als würde mir jemand einfach nur diktieren, was ich schreiben soll.
Schreibblockaden sind ein Horror für mich. Einige Zeit sitze ich sie aus und beschäftige mich überhaupt nicht mit dem Manuskript. Wenn meine Muse nach zwei Wochen immer noch im Bett liegt und faul winkt, lese ich mir das durch, was ich bisher geschrieben habe und versuche, den Faden wieder aufzunehmen. Oft kommt in der Zeit nur Unsinn im Skript raus, aber der kann ja gelöscht werden, wenn es wieder rund läuft.

7.) Schreibst du jeden Tag (Typ: emsige Schreibbiene) oder eher sporadisch?

Wenn ich eine Idee ausgearbeitet habe, versuche ich, jeden Tag zu schreiben. Was allerdings leider nicht immer klappt – und darüber ärgere ich mich jedes Mal.

8.) Hast du eine oder mehrere reale oder nur in der Fantasie existierende Musen? Und wenn ja, ist deine Muse männlich, weiblich oder beides? Ist sie vielleicht ein Tier?

Meine Musen sind zwei Freundinnen und mein Hund.

9.) Hast du Lieblingsbücher und Lieblingsschriftsteller?

Ich habe mehrere Lieblingsbücher, unter anderem „1984“ von George Orwell, „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley und „Der Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien. Mein Lieblingsschriftsteller ist seit meiner Jugend Stephen King.

10.) Hast du ein ganz besonderes Lieblingskinderbuch und/oder eine Hörspielreihe, die du als Kind gerne gehört hast?

Oh ja! Ich habe als Kind die Schallplatten von „Hui Buh“ geliebt. Außerdem bin ich mit Büchern aufgewachsen, meine Eltern und Großeltern waren totale Leseratten, was schon in meiner Kindheit auf mich abgefärbt hat. Damals fand ich die „Giganto“- und „Monitor“-Bücher von Rolf Ulrici faszinierend und habe sie mehrfach gelesen.

11.) Welches ist dein liebster Film in dem es um die große Liebe geht?

Ich bin nicht so der Typ für Liebesfilme … Einen gibt es jedoch, den ich immer wieder gerne sehe: „Brokeback Mountain“.

12.) Welches Buch sollte man deiner Meinung nach als Autor unbedingt gelesen haben?

Als Autor sollte man überhaupt so viele Bücher wie möglich lesen, finde ich. Am besten natürlich aus dem Genre, in dem man selber schreibt.

13.) Kochst du gerne?

Gerne und gut … Leider.

14.) Was ist dein Lieblingsgericht und was findest du daran so lecker?

Für Rindsrouladen lasse ich alles stehen und liegen. Zartes Rindfleisch ist sowieso der absolute Knaller für mich, dazu eine sämige Soße und frische Spätzle … Okay, jetzt bekomme ich Hunger.

15.) Hast du ein Haustier? Welches?

Ich habe eine Hündin namens Harra, einen zwei Jahre alten Mix aus Labrador und Schäferhund.

16.) Unterstützt dich dein Partner/deine Partnerin bzw. deine Familie beim Schreiben oder pflegst du das Schreiben von Gaybooks heimlich?

Ich habe das Glück, von meiner gesamten Familie unterstützt zu werden. Meine härteste Kritikerin ist meine Mutter.

17.) Welchen Geruch bzw. Duft magst du am liebsten und warum?

Alle Gerüche, die mit Weihnachten zu tun haben: Tannennadeln, Lebkuchengewürz, Plätzchenduft, weihnachtliche Duftöle. Ich bin bekennender Weihnachtsfan.

18.) Social Media und Internet: Fluch oder Segen für Autoren? Oder beides?

Das Internet selber halte ich hervorragend für Autoren. Recherche ist einfach, die Suche im Duden oder nach Synonymen geht blitzschnell. Noch leichter kann man es doch kaum haben, oder? Social Media ist dagegen ein Fluch für mich – ich bin kein Fan von facebook und Co, obwohl ich es natürlich nutze.

19.) Wie tröstest du dich, wenn du eine schlechte Rezension kassiert hast?

Ich zünde mir ein Räucherstäbchen an, knuddle meinen Hund und rede mit meiner Tochter darüber. Sie ist als Zeitungsredakteurin ebenfalls „vom Fach“.

20.) Weinst du, wenn du deine Romanfiguren in Situationen schreibst, in denen sie schrecklich leiden müssen, vielleicht sogar jemanden verlieren, den sie lieben?

Ich weine zwar nicht, aber ich leide mit meinen Charakteren und bin oft schlecht gelaunt, wenn ich für sie üble Situationen schreiben muss. Sie dürfen sich gerne mal streiten, aber ich versuche zu verhindern, dass sie jemanden auf Dauer verlieren.

21.) Welche Wörter verwendest du deiner Meinung nach beim Schreiben zu oft?

Die üblichen Verdächtigen sind bei mir Füllwörter. Ich muss mich ziemlich zusammenreißen, um nicht in jedem Satz „wenn“, „aber“, „auch“ und „immer“ zu schreiben.

22.) Bei Liebesszenen: Zart oder hart? Was bevorzugst du beim Lesen bzw. Schreiben?

Es darf ruhig hart zugehen bei mir, obwohl ich mich immer zügle, meine Liebesszenen nicht zu hart werden zu lassen.

23.) Hast du dich schon einmal dabei erwischt, dass eine deiner Hauptfiguren etwas anzieht, isst oder trinkt, was du selbst gerne magst, obwohl es zu diesem Chara überhaupt nicht passt? Würdest du beispielsweise einen Chara erdenken können, der Männer in Anzügen über alle Maßen liebt und sexy findet, obwohl du selbst Anzugträger schnöselig und langweilig findest (oder umgekehrt, du findest Träger von Baggy Pants total hässlich gekleidet, dein Chara steht aber drauf).

Meine Charaktere sind so angelegt, dass sie tragen, essen oder trinken, was zu ihnen passt – und ich das alles ebenfalls mag. Ich muss mich in meine Charas hineinversetzen können, daher wird es nicht vorkommen, dass einer von ihnen auf etwas steht, was ich nicht ausstehen kann.

24.)Zum Schluss: Hast du ein Lebensmotto?

„Wo kämen wir hin, wenn jeder sagen würde: „Wo kämen wir hin?“ und niemand würde gehen und nachsehen, wohin man käme, wenn man ginge?“

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