Mittwoch, 30. Dezember 2015

Lesehöhepunkte 2015 - Entdeckung des Jahres 2015


Du liebe Güte ... Muss man als Buchblogger seine Bücher des Jahres vorstellen? Bei einigen anderen Buchbloggern habe ich das gesehen. Da ich nicht systematisch meine Leseerinnerungen aufschreibe und auch nur dann rezensiere, wenn ich Zeit habe, fällt es mir schwer, ein Buch aus der Masse der von mir gelesenen heraus zu suchen, welches mir besonders gut gefallen hat.

Spontan würde ich sagen, dass die Autorin A. E. Via für mich die Entdeckung des Jahres war. Ich mag die lässige, angeberische Art ihrer Muskelprotze mit den großen Herzen. Ihr letztes Buch, Promises, war mir fast schon ein bisschen zu tragisch und dramatisch in den Spannungsteilen. Da mutete sie ihren Helden ganz schön was zu und damit natürlich auch ihrer gefesselten Leserschaft.

So wie ich es sehe, nimmt die Autorin für die Zeichnung ihrer Helden Anleihen beim Actionfilm und setzt viel Testosteron, Selbstironie und einen Haufen Sexappeal ein. Wie man als Actionfilmfan die Special Effects nicht auf Glaubwürdigkeit hinterfragt, darf man das bei den Büchern von A. E. Via auch nicht tun. Ihre Bücher sind nichts für bierernste Leser und Leserinnen, die in jedem Roman Stoff von tiefgreifender gesellschaftlicher Relevanz erwarten. Ihre Bücher sind etwas für Menschen, die sich humorvoll unterhalten lassen wollen, für die Actionfans unter den Gayromanceleserinnen, wobei die Action der Romanze glücklicherweise nicht zu viel Raum wegnimmt.

Im nächsten Jahr bin ich gespannt, in welche Richtung sich A. E. Via entwickeln wird. Werden ihre Bücher tiefer in die Tragödie einsteigen oder besinnt sich die Autorin auf ihre Kernkompetenz, die ihre Bücher für mich so reizvoll machen - den Spaß am kernigen Helden mit dem vor Selbstbewusstsein nur so strotzenden Mundwerk und den Muskeln, die dieser Haltung die nötige Rückendeckung geben?

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Samstag, 26. Dezember 2015

Breakaway von Avon Gale


Gelesen: Breakaway von Avon Gale
Reihe: Buch 1 von Scoring Chances
Sprache/Übersetzung: Englisch/nein
Schwierigkeitsgrad: Mittel - Die Autorin verwendet so einige umgangssprachliche Wendungen und Begriffe aus der Eishockeywelt, die sich einem nicht auf Anhieb erschließen.
Erotische Taktrate: Relativ gering
Schmelzfaktor: Die Liebesszenen sind mehr von Humor geprägt, was ungeheuer unterhaltsam ist, aber einen eben nicht unbedingt wegschmelzen lässt. Man schmilzt an anderen Stellen.
Eindruck in einem Satz: Zwei Eishockeyspieler, die sich ineinander verlieben, der eine steht am Anfang seiner Karriere, der andere am Ende. Finden Sie dennoch einen Weg in eine gemeinsame Zukunft?
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Der junge Kanadier Lane spielt als Frischling für ein Minor League Eishockeyteam in Florida. Dort hat er sich mit seinem ungefilterten Mundwerk gleich am ersten Tag im Team ins Abseits befördert. Lane kann praktisch nicht lügen und hat nur wenige diplomatische Fähigkeiten. Er ist der Paria des Teams und die anderen ignorieren ihn komplett - leider auch auf dem Eis.

Damit er den Respekt der Mannschaftskameraden gewinnt, kommt er auf die Idee, den Enforcer der gegnerischen Mannschaft zu einem Faustkampf herauszufordern. Der ältere Spieler namens Jared lässt ihn milde gewähren und tut ihm auch nur ein bisschen weh. Noch am gleichen Abend treffen sich die beiden Männer in einer etwas schrägen Bar und die gegenseitige Anziehungskraft simmert heiß zwischen ihnen. Lane ist sexuell völlig unerfahren, weiß aber, dass er schwul ist, Jared gibt sich erst einmal zurückhaltend. Er will nach einer Enttäuschung keine Beziehung mehr und ahnt doch, dass Lane ihm unter die Haut gehen wird.

Lane gelingt es alsbald, sich in die Mannschaft einzufügen. In die Arme von Jared, der ihm nicht lange widerstehen kann, passt er auch sehr gut. Aber Lane steht am Anfang seiner Karriere und Jareds ist praktisch vorbei. Wird es ihnen gelingen, etwas Festes aufzubauen oder ist es nur eine Liebe auf Zeit?

Breakaway ist kein Buch der großen Dramen und dennoch oder gerade deshalb hat es mich in seiner ganz besonderen Art bewegt. Es wird in erster Linie durch die Wortgefechte lebendig, die sich Lane und Jared liefern. Da aus Lanes Mund immer alles ungefiltert heraus kommt, will ihm Jared ein ums andere Mal eine reinhauen. Tut er natürlich nicht. Es gibt auch andere Ausdrucksformen der Leidenschaft. (Leider wird gerade in solchen Momenten gerne diskret abgeblendet.) Die beiden Männer beeinflussen sich gegenseitig positiv und lernen voneinander. Jared entdeckt die Liebe zum Spiel wieder und Lane profitiert von dessen Erfahrung.

Lane und Jared sind so halb out, jedenfalls wissen ihre Eltern von ihrer Homosexualität. Die Schwierigkeiten, die sich zwischen den Söhnen und den Eltern ergeben, sind ganz unterschiedlicher Natur. Hier gelingt es der Autorin gerade auch in Lanes Fall, einen sehr herzbewegenden Konflikt jenseits plakativer Homophobie zu entwickeln, der zeigt, dass man als Autor nicht die Schwulenhasskarte ziehen muss, um interessanten und spannenden Gayromancestoff zu entwickeln. Ich war jedenfalls gerührt. Lane und Jared zeigen Zuversicht auch in schwachen Momenten. Man muss seine Figuren nicht überdramatisch in den Boden stampfen und ihnen in einer tragischen und selbstzerfleischenden Abwärtsspirale jede Würde nehmen, um ein spannendes Buch zu schreiben. Die Schwierigkeiten, mit denen Lane und Jared zu kämpfen haben, bleiben auf dem Boden der Tatsachen und haben mich doch mitunter zu Tränen gerührt. Vermutlich liegt das daran, dass die Autorin ihren Figuren vertraut und die Gefühle auslotet, die sie haben. Das war ganz wunderbar zu lesen. Das Buch hat auch erzählerische Schwächen durch lange Passagen, die zu sehr zusammenfassend wirken. Dennoch ist es für mich eines der schönsten Bücher, die ich im Jahr 2015 gelesen habe.
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Montag, 21. Dezember 2015

Leseliste November 2015

  • Anderson, Andi: Yummy Indulgences [Amazon]
    Ein Bäcker, der super leckere Kekse backt und ein nicht geouteter Tierfutterfabrikarbeiter. Das wollte bei mir jetzt nicht so in allen Punkten zünden.
  • Black, Maris: Kage [Amazon]
    Die kleine Reihe über einen Ultimate Fighter begann recht vielversprechend. Das Buch hat allerdings ein offenes Ende.
  • Black, Maris: Kage unmasked [Amazon]
    Das habe ich nur noch durchgeblättert. Die Story neigte sich zum Ende ins Abstruse.
  • Carmichel, Talia: Irresistible [Amazon]
    Reihe: Something in Common. Charmant zu lesen.
  • Carmichael, Talia: Trouble [Amazon]
    Das Buch ist Teil der Reihe Something in Common (Buch 5). Alle Bücher der Serie, die ich bisher gelesen hatte, haben etwas Charmantes.
  • Cullinan, Heidi: Let it Snow [Amazon]
    Problembeladen, aber reizvoll
  • Finn, Juli D.: Hugs & Fucks [Amazon]
    Sehr reizvoller Bericht erotischer Abenteuer eines Studenten in Tagebuchform, welches in der Unibibliothek ausliegt, damit die Leser ihre Kommentare dort hineinschreiben können.
  • Kaye, Renae: You ar the Reason [Rezension]
  • Kell, Amber: Dragon Groomer [Amazon]
    Nette Romanze ohne nennenswerte Erotik
  • McKenzie, Cooper: Paulo - Der Club der Sexgötter 4 [Amazon]
    Angenehme Unterhaltung mit einigen humoristischen Spitzen
  • Michaels, Lynn: The Holeshot [Amazon]
    Süße Charas, das Buch ist allerdings langatmig
  • Rivers, Penelope: Dragon Touch [Amazon]
    Der Drachen wirkte schwächlich und recht naiv.
  • Wayland, Samantha: Out of her League [Amazon]
    Das Buch hat eine sehr zu Herzen gehende Story. Die Sexszenen uferten allerdings etwas aus. Ich mag die Gay- und Ménagebücher der Autorin lieber.
  • Wells, K. C.: Back from the Edge [Amazon]
    Ruhiges und angenehmes Nachdenkliches mit dem Schuss Tragik und süßer Gemütlichkeit für zwischendurch
  • Zinva, Coco: Boxhandschuhe und Seidenkrawatte [Rezension]

Neugier, am besten unvoreingenommen serviert

An Gil Grissom aus der Serie CSI Vegas hat mir am besten seine unvoreingenommene Neugier gefallen. Sie zeigte sich praktisch in jedem Fall, den er bearbeiten musste. Sehr humorvoll fand ich die Folgen, in denen es um die vielen Ausprägungen sexuellen Verhaltens ging. Da waren Windelfetischisten ebenso dabei wie Konsumenten von Muttermilch, die kuscheligen Yiffys fand ich am niedlichsten (Leute, die sich als Plüschtiere verkleiden und sich davon sehr angeregt fühlen). In einer späten Folge ging es um Tentakelsexerotiker. Das war aber schon nach Grissom und ich glaube, D. B. bearbeitete den Fall.

In diesen Episoden war der Kriminalfall nur ein Vehikel für das Thema, das transportiert wurde. Grissom war der neugierige Ermittler und Lady Heather oft die Stimme der Aufklärung und Toleranz. Obwohl die Serie im prüden Amerika spielt, freilich in einer abenteuerlichen Stadt wie Las Vegas, in der alles möglich zu sein scheint, haben die Drehbuchautoren und Produzenten der Serie hier einen Weg beschritten, für den ich ihnen ein ums andere Mal applaudiert habe. Irgendwie haben sie in meinen Augen auch eine Art Aufklärung betrieben, ohne mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln.

Grissom hat nicht geschrien: "Igitt, wie ekelig ist das denn!" Unabhängig von seinen eigenen Präferenzen hat er seiner Neugier Ausdruck verliehen, ohne in den Fragen gleich eine Vorverurteilung zu implizieren oder die Leute, die eine Sexualität jenseits der Norm praktizieren, als Irre zu titulieren, die behandelt gehören. Natürlich ist Grissom nur eine Kunstfigur. Dennoch kann man sich als Autor bei ihm noch eine Scheibe abschneiden.

In letzter Zeit sah ich in einer Facebook-Gruppe viele Fragen, auf die die einige Fragenden eigentlich keine Antwort wollten. Es waren rhetorische Fragen, mit denen sie ihre eigene Meinung transportieren wollten. Dieser Thread hat mich zu dieser Kolumne inspiriert.

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Bound to you von G. A. Hauser


Gelesen: Bound to you von G. A. Hauser
Sprache/Übersetzung: Englisch/nein
Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel (es gab doch mehr Vokabeln als sonst, die ich nachschlagen musste)
Reihe: Nicht offiziell, aber es treten Nebenfiguren auf, die in dem Buch Cops die Hauptfiguren waren.
Erotische Taktrate: Heiß und leidenschaftlich
Schmelzfaktor: Hm ...
Eindruck in einem Satz: Eckig, leidenschaftlich, humorvoll - ein Buch jenseits von Romantik, aber mit viel Liebe
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Casey und Finn dienen in Afghanistan als Privats und sind die besten Freunde. Finn ist schwul und liebt Casey, Casey liebt Finn auch, aber nicht körperlich. Es kommt im Armeelager zu einem gelegentlichen Austausch von Zärtlichkeiten, wobei Finn eher der Gebende und Casey der Nehmende ist. Als die Verlobte von Casey ihn verlässt, wirkt das auf ihn zerschmetternd. Im Buch wird angedeutet, dass er sie wirklich geliebt hat.

Zurück in den USA und als Zivilisten geht Finn nach Los Angeles und beginnt dort ein Therapeutenstudium, während Casey in seine Heimatregion nach Seattle zieht, wo er bei einer Cousine ein klägliches Dasein als Säufer fristet.

Die Cousine verzweifelt über den Zustand von Casey, schnappt sich heimlich sein Handy, in der Hoffnung, dort einen Kontakt zu finden, der ihrem Cousin weiterhelfen kann. Sie findet unter dem Eintrag love Finns Telefonnummer und ruft ihn an. Finn, der sich nach Casey verzehrt hat, überredet diesen, nach Los Angeles zu ziehen. Und so beginnt ein erotischer Kampf zwischen den Männern, der ihnen vielleicht mehr abverlangt, als sie tragen können ...

G. A. Hauser ist eine Autorin, die bestimmte Aspekte ihrer Bücher nah an der Realität ansiedelt. Das macht ihre Romane teilweise etwas eckig. Wenn sie jetzt eine wahnsinnig leidenschaftliche Liebesszene einleitet, fängt man schon an zu schmelzen und dann ... puff ... geht der eine erst einmal ins Bad, um sich für Analverkehr vorzubereiten, auf so eine technisch-medizinische Art und Weise. Das wird zwar nur angedeutet, aber natürlich ist beim Leser der Spannungsmoment dann verpufft. Da fehlt einfach der romantische Filter liebevoller Imagination, die der Sache den letzten Schmelzschliff gibt.

Andererseits finde ich es toll, wenn sich beispielsweise Casey lange ziert, Finn einen Blowjob zu geben, weil er das erst einmal unappetitlich findet und schon gar nicht Sperma schlucken möchte. Also annehmen tut er den natürlich super gerne. Die beiden zicken sich in solchen Situationen gegenseitig an und doch spürt man die unerschütterliche Liebe, die sich hinter diesen rauen Wortgefechten verbirgt. Hier liegt die eigentliche Stärke des Buchs. Der Kampf, verbal oder auch schon einmal körperlich, lässt nie Zweifel daran, wie sehr sie sich lieben und die beiden Männer stellen ihre Liebe zueinander auch gar nicht infrage. Wenn es nur um die Liebe gehen würde, wäre der Plot dann auch schnell erzählt. Aber die Männer schleppen so viel seelischen Ballast mit sich, dass sie sich freistrampeln und -boxen müssen. In explosiv aufgeladenen Situationen wenden sie sich manchmal gegeneinander, manchmal gegen sich selbst. PTBS lässt grüßen. Ich fand es ungeheuer spannend zu lesen, wie sich das alles entwickelt. Es gibt neben den rauen Szenen auch so viele zärtliche Momente. Das Buch überspitzt die Probleme der Figuren nicht in absonderliche Romandramen. Das, was sie durchmachen, fühlt sich natürlich an und war für mich auch so wahnsinnig spannend zu lesen.

Insofern ist G. A. Hausers Realitätssinn in ihren Büchern also auch eine große Stärke. Die Wendungen werden nicht künstlich herbeigezerrt, sie ergeben sich aus den Charaktereigenschaften, aus der Vergangenheit, den Ängsten und den Wünschen der Figuren und natürlich auch aus äußeren Ereignissen, denen sie ausgesetzt werden.

Ich habe nun zwei Bücher der Autorin gelesen und habe nicht das Gefühl, dass sie etwas zum Träumen wären. Die bisherigen Figuren, die ich bei ihr kennengelernt habe, waren heiß und männlich und natürlich gibt es auch leidenschaftliche Liebesszenen. G. A. Hausers Figuren sind Männer mit Ecken und Kanten, aber manchmal auch zur Zärtlichkeit fähig. Ihr Sex ist zupackend. Da ist schon was zum Anheizen dabei. Aufmerksam geworden auf das Buch bin ich eigentlich nur wegen der sexy Lackhose des Manns auf dem Cover (nicht, dass ich sein Gesicht so anziehend finden würde). Vermutlich wird das bei mir mit den Büchern der Autorin so bleiben. Es wird Elemente geben, die ich wahnsinnig spannend und sexy finde und andere Aspekte darin werden mir nicht gefallen. Für mich hat sich die Lektüre des Buchs auf jeden Fall gelohnt, auch schon wegen des trockenen Humors, der darin vorkommt, und ich bin jetzt wahnsinnig neugierig auf ihr Buch Cops. Vielleicht lege ich sogar ein G. A. Hauser Special ein.
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Mittwoch, 16. Dezember 2015

Mein Beuteschema bei Büchern und das Herumtrampeln auf Romanfiguren

Dann wage ich mich mal wieder an eine Kolumne. Jemand fragte mich, was mein Beutschema bei Büchern ist. Da fragt man mich aber etwas. Eigentlich fällt es mir leichter zu sagen, was ich nicht so gerne lese.

Ich lese natürlich gerne das, was ich selbst schreibe, also Bücher mit dominant/dominanten Männerkonstellationen, solche mit Tortured Heros, Fantasy und Science Fiction mit solchen Kerlen (keine Endzeitdramen), lese ich Heterozeug, dürfen die Frauen gerne stark sein (also wirklich stark und nicht so pseudoselbstbewusst). Ich mag Bücher mit muskulösen Kämpfern, egal, ob in Historicals, Gegenwartsromanen (Military Romance) oder in SF.

Mir geht schon seit Wochen eine Art Kolumne über das "Zerstören" von Romanfiguren durch den Kopf und ich frage mich, warum manche dramatische Bücher bei mir auf fruchtbaren Boden fallen und andere nicht. Es gibt verschiedene Arten von Plots. Zwei davon möchte ich heraus greifen.

In dem einen Fall nimmt das Drama innerhalb der Geschichte seinen Lauf und der oder die Hauptfiguren werden von den Ereignissen und/oder mächtigen Personen praktisch zerstört. Sie geraten in eine Abwärtspirale, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Solche Bücher, rieche ich sie aufgrund des Klappentextes auch nur zehn Meilen gegen den Wind, meide ich in der Regel und zwar nicht, weil ich keine gute, tragödienhafte Spannung zu schätzen weiß, sondern weil es in einem Buch mit Happy End auch Aufgabe des Autors ist, den Zerstörten wie Phönix aus der Asche wieder aufzubauen und ihn mutig sein Schicksal in die Hand nehmen zu lassen. Selbst wenn der Plot kein Happy End hätte, müsste die Hauptfigur für mich am Ende strahlend dastehen. Es gibt Autoren und mit ihnen auch viele Leser, die mehr Spaß an der Tragödie haben als an der Auflösung derselben. Schon die ollen Griechen haben sich ja daran erfreut. Für mich ist das nix. Ich muss das Gefühl haben, dass der Autor in seinem Buch auch Freude daran hat, die Hauptfigur wieder aufzubauen.

Dann gibt es die Geschichten, in denen die Tragödie, die dem Helden passierte, schon in der Vergangenheit liegt. Das Buch beginnt meistens damit, dass er seinen Love Interest kennenlernt und dieses Ereignis eine Art Katalysator ist, das am Ende zur "Gesundung" und die Erfüllung einer großen Liebe führt. Das ist schon eher mein Beuteschema. Manchmal halten sich die Autoren aber nicht an die stille Absprache zwischen Autor und Leser und obwohl der Mann schon am Boden liegt, schreiben sie den unglücklichen Chara noch mehr in die Scheiße rein. Das hört dann gar nicht mehr auf und am Ende wird noch ein Happy End hingekliert, von dem ich mich frage, wie das überhaupt zustandegekommen ist. Auch für das Happy End und den Weg dorthin muss Sorgfalt und Liebe inverstiert werden. Solche Plots ärgern mich dann richtig (also nur privat, ich kann schon meinen persönlichen Geschmack von meiner professionellen Meinung, ob ein Buch gut ist oder nicht, unterscheiden).

Im englischen Sprachraum gibt es einige Romance-Autorinnen, die der Inhaltsbeschreibung ihrer Bücher am Ende folgen lassen, womit der Leser / die Leserin zu rechnen hat und womit nicht. Natürlich finde ich jetzt kein Beispiel dafür. Ganz zum Schluss steht dann so ungefähr: Das Buch endet mit einem heißen und rundum befriedigenden Happy End.

Dafür hege ich als Leserin eine große Sympathie.

Nebenbei sei erwähnt, dass meine Bücher auch nicht immer das rundum befriedigende Happy End haben (geplant ist das allerdings immer). Einmal habe ich sogar eine sympathische und liebenswerte Hauptfigur getötet. Das war mein Muserich, nicht ich. Ich als Autorin und ich als Leserin haben nur eine bestimmte, wenn auch große Schnittmenge gemeinsam. Ich nehme mir nicht vor, Tragödien zu schreiben. Aber wenn der Muserich mir eine hinschmeißt, muss ich damit zurechtkommen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt machen sich die Figuren auch selbständig. Das liegt daran, dass man dann sehr viel über sie weiß und sie facettenreich entwickelt hat. Dann muss man bei jeder Wendung ihren Charakter, ihre Vergangenheit und ihre soziale Vernetzung beachten und plötzlich steckt man in der Zwangslage, ob man eine Wendung schreibt, die der Figur eigentlich nicht mehr entspricht oder ob man dann sein Konzept anpasst.

Dienstag, 15. Dezember 2015

Der gestiefelte Kater von C. J. Rivers


Gelesen: Der gestiefelte Kater von C. J. Rivers
Sprache/Übersetzung: Deutsch/nein
Reihe: Queery Tales
Erotische Taktrate: Schnuckelig
Schmelzfaktor: Märchenhaft
Eindruck in einem Satz: Herzerwärmendes Gaymärchen für Erwachsene
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Dieser Kurzroman von C. J. Rivers ist eine Adaption des Märchens vom gestiefelten Kater und ist sooo schööön. Es gibt alles, was ein Märchen braucht und noch viel mehr, beispielsweise eine romantische Liebe zwischen zwei jungen Männern. Die Märchensammlung der Gebrüder Grimm ist ja nicht unbedingt romantisch, also eigentlich eher das Gegenteil. Die Liebe kommt in ihr meist schmerzhaft daher.

Wie man Romantik mit Märchen gekonnt vereint und dabei dem traditionellen Märchen treu bleibt, kann man in diesem Buch nachlesen.
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Dienstag, 8. Dezember 2015

Rescued by her Alien Warriors von Doris O`Connor


Gelesen: Rescued by her Alien Warriors von Doris O`Connor
Sprache/Übersetzung: Englisch/nein
Teil 2 einer Reihe: The Warriors
Erotische Taktrate: Moderat
Schmelzfaktor: Heiß, schmusig, herzerwärmend
Eindruck in einem Satz: Eine mutige Frau und ihre aufgeweckte Tochter erobern das Herz der Besatzungsmitglieder eines Kriegsschiffes im Sturm.
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Die menschliche Witwe Sapphyre muss sich in einer schmierigen Bar ihr Geld verdienen, in der auch verschiedene Außeridische regelmäßig einkehren. Der 1. Offizier eines drakanischen Kriegsschiffs, Bentaan, hat sie dort entdeckt und schleppt seinen Kapitän, Alzaar, mit in die Bar, damit die beiden Männer sie gemeinsam "bestaunen" können. Man merkt gleich, dass sie auch privat miteinander verbandelt sind. Wie genau, das stellt sich erst im Laufe des Buchs heraus.

Als die kleine Tochter von Sapphyre auf der Suche nach ihrer Mutter in die Bar kommt, eskaliert die Situation. Ein Sklavenhändler will die kleine Jayde für sich beanspruchen und entführen. Da müssen Bentaan und Alzaar natürlich eingreifen, retten Jayde und Sapphyre vor dem Händler und einigen Cirrions und nehmen Mutter und Tochter zwangsläufig mit auf ihr Kriegsschiff. Wohin nun mit den beiden weiblichen Menschen? Verschiedene Umstände machen es Alzaar unmöglich, sie irgendwo abzuladen. Daher quartiert er sie in der Kapitänskabine ein.

Sapphyre verspürt sofort eine starke Anziehungskraft zu den beiden Männern, wobei Bentaan sein hitziges Verlangen offen zeigt und Alzaar kalt und abweisend bleibt.

Derweil machen sich Mutter und Tochter auf dem Schiff nützlich. Jayde zieht es auf das Maschinendeck, wo sie den Technikern zur Hand geht, Sapphyre hegt und pflegt den botanischen Garten. (Leute, fragt mich nicht, weshalb ein Kriegsschiffe einen botanischen Garten hat.) Jedenfalls schenkt Alzaar der kleinen Jayde ein paar Hühner, die in Sapphyres Abteilung einen Stall bekommen und dem Schiffskoch regelmäßig Eier zuliefern. Jayde liebt ihre Hühner und eines davon, Daisy Duck, wird zu ihrem Haustier.

Es gibt viele Verwicklungen, manche davon kriegerischer Art, und schließlich wachsen Sapphyre, Jayde, Betaan und Alzaar zu einer Familie zusammen.

Leider ist es für einen Kapitän verboten, seine Frau und sein Kind mit auf das Kriegsschiff zu nehmen, und der Admiral kommt zu Besuch, der die beiden Krieger natürlich erst einmal zusammenstaucht. Wie Sapphyre, Jayde und Daisy Duck dem arroganten Kerl Paroli bieten, gehört zu den lustigsten Szenen, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Alleine dafür lohnt es sich eigentlich, das Buch zu kaufen.

Im Gegensatz zu Buch 1 der Reihe ist dieser Plot wesentlich besser ausgerarbeitet. Über das Cover schweige ich höflich ... hust. Das Buch bietet zwei Männer, die sich schon seit ihrer Jugend lieben und nach tragischen Ereignissen wieder zusammenfinden, eine beherzte Frau, die sich von ihrem Schicksal nicht unterkriegen lässt und ihren beiden Männern eine mutige Gefährtin ist, sowie ein kleines Kind, das viel zu früh das Kämpfen lernen musste und einen Haufen kriegerischer Besatzungsmitglieder um den Finger wickelt.
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Taken by her Alien Warriors von Doris O`Connor


Gelesen: Taken by her Alien Warriors von Doris O`Connor
Sprache/Übersetzung: Englisch/nein
Teil 1 einer Reihe: The Warriors
Erotische Taktrate: Heiß, aber weniger Sexszenen, als das Genre vermuten lässt
Schmelzfaktor: Oh ja! Es gibt einige zu Herzen gehende Momente in dem Buch
Eindruck in einem Satz: Ein SF Ménageroman mit Liebe und Herz
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Das Universum ist im Krieg ... oder so. Jedenfalls bekämpfen sich die beiden Kriegerspezies Cirrions und Drakaner. Die Cirrions sind ein Sklaven haltendes Volk, die Drakaner haben aufgrund von genetischen Problemen einen Frauenmangel (es werden auf ihrem Planeten nur sehr wenige weibliche Babys geboren).

Die Cirrions gehen gerne auf der Erde auf Raubzug und versklaven Menschenfrauen ziemlich ruppig und gnadenlos. Der Cirrion-Krieger Zorran rettet die kleine Gemini vor der Vergewaltigung durch einen Mann seines Volkes und beansprucht sie für sich. Er lässt sie von einer Angestellten aufziehen, während er im Weltall unterwegs ist, um dort als einer der besten Krieger seines Volkes in den Kampf zu ziehen. Als Gemini erwachsen ist, will er sie vor den Männern seines Volkes in Sicherheit bringen und fliegt mit ihr nach Drakan, wo er sie seinem drakanischen Liebhaber Ornack schenkt.

Wie nun die beiden an sich verfeindeten Männer in Liebe zueinander gefallen sind, hat mit dem Edelmut von Zorran zu tun, der es nicht ausstehen kann, wenn Unschuldige abgeschlachtet werden. Zu viel mag ich jetzt nicht verraten.

Ornack bietet Zorran auf seinem Land ein neues Leben an, doch Zorran kann es sich nicht vorstellen, seinem Volk den Rücken zu kehren und fliegt wieder ab.

Gemini, die eigentlich Zorran liebt, verhält sich gegenüber Ornack spröde, auch wenn sie sofort eine starke Anziehungskraft zu ihm verspürt. Nach und nach kommen die beiden sich näher und Gemini liebt auch den kleinen Sohn ihres Gastgebers über alle Maßen.

Die Kriegswirren entreißen Ornack den Armen seiner geliebten Gemini und Zorran opfert seine eigene Reputation, um Ornack zu retten. Kann es eine Zukunft für die drei geben oder landet Zorran im Kerker der Drakaner?

"Taken bei her Alien Warriors" darf man um Gottes willen nicht nach dem scheußlichen Cover berurteilen. Die Geschichte ist viel schöner und sensibler, als es den Anschein hat. Da sah ich gerne darüber hinweg, dass die Drakaner eher wie mittelalterliche Ritter daher kommen und sie auf ihrem Planeten praktisch ohne moderne Errungenschaften leben. Da versuchte die Autorin, das Mittelalter mit Science Fiction zu verschmelzen. Na ja, so was gelingt eigentlich nie. Die Stärke des Romans liegt darin, dass eben nicht einfach nur eine Sexgeschichte erzählt wird. Die Figuren haben tiefe Gefühle, hegen Zweifel, müssen erst zusammenfinden. Ein Blick und die Anziehung ist da, aber bis es dann in die Federn geht, bedarf es doch einiger Entwicklungen. Einige Nebenfiguren sind auch sehr gut ausgearbeitet.

Das Pogeklatsche hätte für meinen Geschmack nicht sein müssen, aber es war jedenfalls recht unterhaltsam. Die Leidenschaft und Liebe der drei Hauptfiguren füreinander wurde wunderbar herausgearbeitet. Der Roman überzeugt mit Liebenswürdigkeit und heißer Leidenschaft, weniger mit logischen Handlungsabläufen. Manches außerhalb des Liebesgeschehens mutet eigenartig unfertig und schlecht durchdacht an. Wer einen Ménage-Roman mit Liebe und Herz sucht, wird hier fündig, wer sich mehr für gut ausgearbeitete Plots interessiert, dem rate ich von diesem Buch ab.
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