Samstag, 26. Dezember 2015

Breakaway von Avon Gale


Gelesen: Breakaway von Avon Gale
Reihe: Buch 1 von Scoring Chances
Sprache/Übersetzung: Englisch/nein
Schwierigkeitsgrad: Mittel - Die Autorin verwendet so einige umgangssprachliche Wendungen und Begriffe aus der Eishockeywelt, die sich einem nicht auf Anhieb erschließen.
Erotische Taktrate: Relativ gering
Schmelzfaktor: Die Liebesszenen sind mehr von Humor geprägt, was ungeheuer unterhaltsam ist, aber einen eben nicht unbedingt wegschmelzen lässt. Man schmilzt an anderen Stellen.
Eindruck in einem Satz: Zwei Eishockeyspieler, die sich ineinander verlieben, der eine steht am Anfang seiner Karriere, der andere am Ende. Finden Sie dennoch einen Weg in eine gemeinsame Zukunft?
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Der junge Kanadier Lane spielt als Frischling für ein Minor League Eishockeyteam in Florida. Dort hat er sich mit seinem ungefilterten Mundwerk gleich am ersten Tag im Team ins Abseits befördert. Lane kann praktisch nicht lügen und hat nur wenige diplomatische Fähigkeiten. Er ist der Paria des Teams und die anderen ignorieren ihn komplett - leider auch auf dem Eis.

Damit er den Respekt der Mannschaftskameraden gewinnt, kommt er auf die Idee, den Enforcer der gegnerischen Mannschaft zu einem Faustkampf herauszufordern. Der ältere Spieler namens Jared lässt ihn milde gewähren und tut ihm auch nur ein bisschen weh. Noch am gleichen Abend treffen sich die beiden Männer in einer etwas schrägen Bar und die gegenseitige Anziehungskraft simmert heiß zwischen ihnen. Lane ist sexuell völlig unerfahren, weiß aber, dass er schwul ist, Jared gibt sich erst einmal zurückhaltend. Er will nach einer Enttäuschung keine Beziehung mehr und ahnt doch, dass Lane ihm unter die Haut gehen wird.

Lane gelingt es alsbald, sich in die Mannschaft einzufügen. In die Arme von Jared, der ihm nicht lange widerstehen kann, passt er auch sehr gut. Aber Lane steht am Anfang seiner Karriere und Jareds ist praktisch vorbei. Wird es ihnen gelingen, etwas Festes aufzubauen oder ist es nur eine Liebe auf Zeit?

Breakaway ist kein Buch der großen Dramen und dennoch oder gerade deshalb hat es mich in seiner ganz besonderen Art bewegt. Es wird in erster Linie durch die Wortgefechte lebendig, die sich Lane und Jared liefern. Da aus Lanes Mund immer alles ungefiltert heraus kommt, will ihm Jared ein ums andere Mal eine reinhauen. Tut er natürlich nicht. Es gibt auch andere Ausdrucksformen der Leidenschaft. (Leider wird gerade in solchen Momenten gerne diskret abgeblendet.) Die beiden Männer beeinflussen sich gegenseitig positiv und lernen voneinander. Jared entdeckt die Liebe zum Spiel wieder und Lane profitiert von dessen Erfahrung.

Lane und Jared sind so halb out, jedenfalls wissen ihre Eltern von ihrer Homosexualität. Die Schwierigkeiten, die sich zwischen den Söhnen und den Eltern ergeben, sind ganz unterschiedlicher Natur. Hier gelingt es der Autorin gerade auch in Lanes Fall, einen sehr herzbewegenden Konflikt jenseits plakativer Homophobie zu entwickeln, der zeigt, dass man als Autor nicht die Schwulenhasskarte ziehen muss, um interessanten und spannenden Gayromancestoff zu entwickeln. Ich war jedenfalls gerührt. Lane und Jared zeigen Zuversicht auch in schwachen Momenten. Man muss seine Figuren nicht überdramatisch in den Boden stampfen und ihnen in einer tragischen und selbstzerfleischenden Abwärtsspirale jede Würde nehmen, um ein spannendes Buch zu schreiben. Die Schwierigkeiten, mit denen Lane und Jared zu kämpfen haben, bleiben auf dem Boden der Tatsachen und haben mich doch mitunter zu Tränen gerührt. Vermutlich liegt das daran, dass die Autorin ihren Figuren vertraut und die Gefühle auslotet, die sie haben. Das war ganz wunderbar zu lesen. Das Buch hat auch erzählerische Schwächen durch lange Passagen, die zu sehr zusammenfassend wirken. Dennoch ist es für mich eines der schönsten Bücher, die ich im Jahr 2015 gelesen habe.
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