Mittwoch, 16. Dezember 2015

Mein Beuteschema bei Büchern und das Herumtrampeln auf Romanfiguren

Dann wage ich mich mal wieder an eine Kolumne. Jemand fragte mich, was mein Beutschema bei Büchern ist. Da fragt man mich aber etwas. Eigentlich fällt es mir leichter zu sagen, was ich nicht so gerne lese.

Ich lese natürlich gerne das, was ich selbst schreibe, also Bücher mit dominant/dominanten Männerkonstellationen, solche mit Tortured Heros, Fantasy und Science Fiction mit solchen Kerlen (keine Endzeitdramen), lese ich Heterozeug, dürfen die Frauen gerne stark sein (also wirklich stark und nicht so pseudoselbstbewusst). Ich mag Bücher mit muskulösen Kämpfern, egal, ob in Historicals, Gegenwartsromanen (Military Romance) oder in SF.

Mir geht schon seit Wochen eine Art Kolumne über das "Zerstören" von Romanfiguren durch den Kopf und ich frage mich, warum manche dramatische Bücher bei mir auf fruchtbaren Boden fallen und andere nicht. Es gibt verschiedene Arten von Plots. Zwei davon möchte ich heraus greifen.

In dem einen Fall nimmt das Drama innerhalb der Geschichte seinen Lauf und der oder die Hauptfiguren werden von den Ereignissen und/oder mächtigen Personen praktisch zerstört. Sie geraten in eine Abwärtspirale, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Solche Bücher, rieche ich sie aufgrund des Klappentextes auch nur zehn Meilen gegen den Wind, meide ich in der Regel und zwar nicht, weil ich keine gute, tragödienhafte Spannung zu schätzen weiß, sondern weil es in einem Buch mit Happy End auch Aufgabe des Autors ist, den Zerstörten wie Phönix aus der Asche wieder aufzubauen und ihn mutig sein Schicksal in die Hand nehmen zu lassen. Selbst wenn der Plot kein Happy End hätte, müsste die Hauptfigur für mich am Ende strahlend dastehen. Es gibt Autoren und mit ihnen auch viele Leser, die mehr Spaß an der Tragödie haben als an der Auflösung derselben. Schon die ollen Griechen haben sich ja daran erfreut. Für mich ist das nix. Ich muss das Gefühl haben, dass der Autor in seinem Buch auch Freude daran hat, die Hauptfigur wieder aufzubauen.

Dann gibt es die Geschichten, in denen die Tragödie, die dem Helden passierte, schon in der Vergangenheit liegt. Das Buch beginnt meistens damit, dass er seinen Love Interest kennenlernt und dieses Ereignis eine Art Katalysator ist, das am Ende zur "Gesundung" und die Erfüllung einer großen Liebe führt. Das ist schon eher mein Beuteschema. Manchmal halten sich die Autoren aber nicht an die stille Absprache zwischen Autor und Leser und obwohl der Mann schon am Boden liegt, schreiben sie den unglücklichen Chara noch mehr in die Scheiße rein. Das hört dann gar nicht mehr auf und am Ende wird noch ein Happy End hingekliert, von dem ich mich frage, wie das überhaupt zustandegekommen ist. Auch für das Happy End und den Weg dorthin muss Sorgfalt und Liebe inverstiert werden. Solche Plots ärgern mich dann richtig (also nur privat, ich kann schon meinen persönlichen Geschmack von meiner professionellen Meinung, ob ein Buch gut ist oder nicht, unterscheiden).

Im englischen Sprachraum gibt es einige Romance-Autorinnen, die der Inhaltsbeschreibung ihrer Bücher am Ende folgen lassen, womit der Leser / die Leserin zu rechnen hat und womit nicht. Natürlich finde ich jetzt kein Beispiel dafür. Ganz zum Schluss steht dann so ungefähr: Das Buch endet mit einem heißen und rundum befriedigenden Happy End.

Dafür hege ich als Leserin eine große Sympathie.

Nebenbei sei erwähnt, dass meine Bücher auch nicht immer das rundum befriedigende Happy End haben (geplant ist das allerdings immer). Einmal habe ich sogar eine sympathische und liebenswerte Hauptfigur getötet. Das war mein Muserich, nicht ich. Ich als Autorin und ich als Leserin haben nur eine bestimmte, wenn auch große Schnittmenge gemeinsam. Ich nehme mir nicht vor, Tragödien zu schreiben. Aber wenn der Muserich mir eine hinschmeißt, muss ich damit zurechtkommen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt machen sich die Figuren auch selbständig. Das liegt daran, dass man dann sehr viel über sie weiß und sie facettenreich entwickelt hat. Dann muss man bei jeder Wendung ihren Charakter, ihre Vergangenheit und ihre soziale Vernetzung beachten und plötzlich steckt man in der Zwangslage, ob man eine Wendung schreibt, die der Figur eigentlich nicht mehr entspricht oder ob man dann sein Konzept anpasst.

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