Montag, 21. Dezember 2015

Neugier, am besten unvoreingenommen serviert

An Gil Grissom aus der Serie CSI Vegas hat mir am besten seine unvoreingenommene Neugier gefallen. Sie zeigte sich praktisch in jedem Fall, den er bearbeiten musste. Sehr humorvoll fand ich die Folgen, in denen es um die vielen Ausprägungen sexuellen Verhaltens ging. Da waren Windelfetischisten ebenso dabei wie Konsumenten von Muttermilch, die kuscheligen Yiffys fand ich am niedlichsten (Leute, die sich als Plüschtiere verkleiden und sich davon sehr angeregt fühlen). In einer späten Folge ging es um Tentakelsexerotiker. Das war aber schon nach Grissom und ich glaube, D. B. bearbeitete den Fall.

In diesen Episoden war der Kriminalfall nur ein Vehikel für das Thema, das transportiert wurde. Grissom war der neugierige Ermittler und Lady Heather oft die Stimme der Aufklärung und Toleranz. Obwohl die Serie im prüden Amerika spielt, freilich in einer abenteuerlichen Stadt wie Las Vegas, in der alles möglich zu sein scheint, haben die Drehbuchautoren und Produzenten der Serie hier einen Weg beschritten, für den ich ihnen ein ums andere Mal applaudiert habe. Irgendwie haben sie in meinen Augen auch eine Art Aufklärung betrieben, ohne mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln.

Grissom hat nicht geschrien: "Igitt, wie ekelig ist das denn!" Unabhängig von seinen eigenen Präferenzen hat er seiner Neugier Ausdruck verliehen, ohne in den Fragen gleich eine Vorverurteilung zu implizieren oder die Leute, die eine Sexualität jenseits der Norm praktizieren, als Irre zu titulieren, die behandelt gehören. Natürlich ist Grissom nur eine Kunstfigur. Dennoch kann man sich als Autor bei ihm noch eine Scheibe abschneiden.

In letzter Zeit sah ich in einer Facebook-Gruppe viele Fragen, auf die die einige Fragenden eigentlich keine Antwort wollten. Es waren rhetorische Fragen, mit denen sie ihre eigene Meinung transportieren wollten. Dieser Thread hat mich zu dieser Kolumne inspiriert.

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