Sonntag, 17. Januar 2016

Selbstdarstellungen von Autoren - Die ersten Schreibversuche machte er/sie schon als Kind ...

"Die ersten Schreibversuche machte er/sie schon als Kind ..." lese ich relativ oft in Autorenprofilen. Gähn ... Findet ihr, das reißt einen vom Hocker?

Autorenprofile sind keine Lebensläufe, mit denen man sich für eine Arbeitsstelle bewirbt. Es ist nicht verboten, in ihnen das schriftstellerische Talent zu bemühen, mit denen man seine Bücher schreibt. Im Idealfall rundet so eine Selbstdarstellung das literarische Schaffen ab. Schreibt man nicht zufällig einen Scheidungsratgeber, gehören da auch keine Scheidungen oder Trennungen rein.

Die Aussage, schon als Kind Schreibversuche gemacht zu haben, ist eine leere und langweilige Worthülse. Wenn man sich schon so angeberisch äußert, dann bitte schön richtig. Was hat man denn in dem Alter geschrieben? Als AutorIn von Romanzen kann man behaupten: Während meine Freundinnen noch mit ihren Puppen gespielt haben, erdachte ich schon kleine Liebesszenen mit Helden und holden Maiden.

Ich plädiere dafür, den Ausblick ins Privatleben kurz zu halten. Eigentlich interessiere ich mich in der Regel auch nicht sonderlich für die Brotberufe von Selfpublishern, weil das ein bisschen die Romantik nimmt. Gelegentlich können vergangene Ereignisse natürlich Teil einer Heldenlegende werden. Wer früher Flaschen gesammelt hat, um sein karges Einkommen aufzubessern, hat eine gute Heldenlegende á la "Tellerwäscherin wird Erfolgsautorin" zur Hand. Die Geschichte sollte aber einen Wahrheitskern haben, sonst macht man sich am Ende lächerlich.

Wer mag, kann kurz die Zahl seiner Kinder erwähnen, das wirkt umgänglich und menschlich. Wie die Kinder charakterlich sind, was für Schwächen und Stärken sie haben, gehört dort nicht rein. No, non, njet, nein! Ihre Privatsphäre sollte beachtet werden, ebenso die Privatsphäre des Partners.

Möchte man unbedingt Anekdoten über das persönliche Umfeld in die Selbstdarstellung schreiben, kann man sein Haustier dazu verwenden.

Wer den Pulitzerpreis gewonnen hat oder schon einmal Stadtschreiber einer berühmten Gemeinde mit mittelalterlichen Wurzeln gewesen ist, kann das gerne effektvoll in sein Autorenprofil schreiben. Hast du einen Pokal beim Buchstabierwettbewerb deiner Grundschule gewonnen, lass die Information weg. So was interessiert auch nicht, wenn du den Pokal auf der Oberschule gewonnen hast. Die Lokalzeitung in deinem Ministädtchen hat schon einmal über dich berichtet? Informiere deine Fans über Facebook oder auf deinem Blog, aber schreibe das nicht in dein Autorenprofil. Du hast dich schon einmal für den Playboy nackig gemacht? Wenn du Erotikautorin bist, gehört das unbedingt in dein Profil!

Viele Autorinnen und Autoren fangen mit dem Schreiben an, um ihren Alltag etwas farbiger zu gestalten. Irgendwann hat man das Bedürfnis, auch den Alltag anderer farbiger zu machen. Also fängt man an zu veröffentlichen. Eine Autorenselbstdarstellung kann lang oder kurz sein, das ist meiner Meinung nach egal. Aber macht sie würzig, lasst die schillern!

Meine Selbstdarstellung ist kurz, sie lautet:

"Norma Banzi lebt mit ihrem Mann und einem felinen Mitbewohner in einer kleinen, aber feinen Wohnung in Hamburg und hat noch einen Koffer in Berlin."

Ob sie so würzig ist, weiß ich nicht, bietet aber eine geballte Ladung Information über mich auf kleinstem Raum (sieht man sie sich einmal näher an):
- Ich bin verheiratet,
- habe eine Katze, die mir außerordentlich wichtig ist und mir auf der Nase herumtanzt (feliner Mitbewohner! Wäre sie mir nicht so wichtig, hätte ich nur "Katze" geschrieben),
- die Mieten in HH sind teuer, aber dennoch habe ich es gemütlich und das Beste aus meiner Wohnsituation gemacht,
- ich stamme aus Berlin und an dieser Stadt hängt auch noch immer mein Herz,
- Hamburg gefällt mir auch, sonst fände ich es in meiner Wohnung nicht so gemütlich.

Bevor die Interessenten gelangweilt von meiner Selbstdarstellung sind, ist sie auch schon wieder vorbei :-)

Welche Gedanken habt ihr euch bei der Abfassung eurer Selbstdarstellung gemacht?

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