Sonntag, 3. Januar 2016

Kolumne: Guter Dom / böser Dom - oder: Was nicht konsensual passiert, ist eine Straftat. Punkt!

Es gibt eine oft verwendete Szene in BDSM-Romanen, da stehen mir regelmäßig die Haare zu Berge. Ich vereinfache den Ablauf jetzt für diese Kolumne.

Naivling N geht das erste Mal aus Neugier in einen BDSM-Club. Dom B wird auf ihn aufmerksam, stellt sich ihm in den Weg, zerrt ihn mit sich und sagt zu ihm: "Ich ficke dich jetzt / ich peitsche dich jetzt / ich fessele dich jetzt." (Sucht euch was aus.)
Dom G kommt hinzu und errettet N aus den Fängen des B und so kommen sich N und G näher.

Könnt ihr erraten, weshalb solche Szenen meine Kratzbürstigkeit auf den Plan rufen?

Na, kommt wer drauf?

Aaalsooo - Luft hol!

So ein BDSM-Club ist kein rechtsfreier Raum, in dem man die Gäste nach Belieben hin und her schleudern kann, sie mal eben zur eigenen Triebabfuhr benutzt und Fragen erst hinterher oder gar nicht stellt. Diese oft verwendete Szene suggeriert dem Leser, dass in BDSM-Clubs regelmäßig Menschen gegen ihren Willen gewalttätigen Akten unterzogen werden, die zu naiv sind, besser auf sich aufzupassen und einen Dom mitzunehmen, der sie beschützt.
a.) Es wird unterstellt, dass die Betreiber solcher Clubs in ihren Etablissements Straftaten zulassen und bei nicht konsensualen Akten wegsehen.
b.) Es wird unterstellt, dass dominant veranlagte Menschen ihre Neigungen ohne Rücksicht auf Verluste hemmungslos ausleben.
c.) Es wird unterstellt, dass Subs Idioten sind.
d.) Es wird unterstellt, dass man Menschen an der Nasenspitze ablesen kann, ob sie dominant, devot oder was auch immer sind.

Achtung! Es geht mir hier nicht um die Frage, welche Akte im Rahmen einer konsensualen Session stattfinden. Die können sich, wenn sie es im gegenseitigen Einverständnis machen, so viel peitschen, fesseln und brutal durchnudeln lassen, wie auch immer sie wollen.

Ich bewege mich nicht in BDSM-Kreisen, habe also nicht die große Ahnung davon. Die wenigen Menschen, die ich kennenlernte und die offen dazu stehen, waren ausgesprochen höfliche und liebenswerte Menschen. Sie würden niemals, niemals, nie etwas machen, was nicht mit dem Partner abgesprochen worden ist.

Wie kommen solche guter Dom / böser Dom Szenen überhaupt zustande und wie stellen sich solche Autorinnen eigentlich einen BDSM-Club vor? Nicht jeder, der in einen solchen Club geht, ist entweder devot oder dominant veranlagt. Es gibt so viele Kinks, die man in einem gut geführten und ausgestatteten Club ausleben kann. Woher ich das weiß, obwohl ich mich doch gar nicht in der Szene bewege? Neugier und Recherche!

Solche Szenen gehören übrigens zu einem der Gründe, weshalb ich bei BDSM-Romanen oft zögere zuzugreifen. Ich kann das einfach nicht ab und da bleibt immer ein bitterer Beigeschmack.

Bin ich nun generell gegen guter Dom / böser Dom Szenen? Nein, für mich gehören sie in die Romanwelt der Fantasy, wo man einen größeren Spielraum hat, wenn man eine Sklavenhalterkultur darstellt. Das wäre dann aber ein Thema für eine andere Kolumne.

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