Sonntag, 3. Januar 2016

Kolumne: Wie geht man mit Spoilern um?

Die einen mögen Spoiler, andere hassen sie. Spoiler sind (kurz gefasst) unwillkommene Informationen über ein Buch oder einen Film. Nun ist es aber so, dass jeder ganz individuell beurteilt, was für ihn als Information über ein Buch willkommen oder unwillkommen ist. Es gibt Leser, denen bereits der verlagsseitige Klappentext zu viel ist. Andere schimpfen sogar, wenn man als Rezensent bei einem Buch mit Happy End Garantie in der Rezension erwähnt, dass es ein Happy End hat.

Für mich ist ein Spoiler, wenn der Rezensent wesentliche Spannungselemente des Buchs in der Rezension vorwegnimmt, er beispielsweise bei einem Krimi den Täter verrät.

Unabhängige Rezensenten, also solche, die nicht erstrangig mit der Promotion des Buchs befasst sind, sondern mit dem Besprechen desselbigen, sind keine freien Marketingmitarbeiter des Verlags / Selfpublishers. Ihnen geht es in erster Linie darum, ihre Meinung zu sagen. Wenn jetzt die Marketingmasche für ein aktuelles Buch ist, beispielsweise den Namen der einen Hauptfigur zu verschweigen, dann hat man als Rezensent natürlich ein Problem. Man möchte ja den anderen Lesern auch nicht die Spannung verderben, andererseits ist es doch sehr anbiedernd, wenn man, auf Deutsch gesagt, die Marketingmasche unkritisch wie ein naives Schaf mitmacht. Geht man mit dem Flow oder bildet man sich eine eigene Meinung und drückt diese auch aus?

Mit den Spoilerwarnungen ist es so eine Sache. Ich schreibe sie mittlerweile in so einige meiner Rezensionen rein und beginne dann nicht gleich mit dem Spoiler, damit der Blick desjenigen, der den Spoiler gar nicht lesen möchte, ihn nicht zufällig und unabsichtlich liest. Bestimmt gibt es einige Leser und Leserinnen, die eigentlich keine Spoiler mögen, aber gerade von der Warnung angezogen werden, wie die Motten vom Licht.

Ich möchte hier nicht für Spoiler werben. Ich selbst mag es gerne, wenn ich vorher viel über ein Buch weiß, was ich lesen möchte, aber natürlich möchte ich auch nicht unbedingt alle wesentlichen Spannungsmomente vorher wissen. Andererseits: Wenn die eigene Meinung juckt und kratzt und sie unbedingt heraus möchte. Wenn man das dann nur mit einem Spoiler bewältigen kann, weil man sonst diese Meinung nicht begründen kann, dann kann man die Spoilerwarnung verwenden.

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