Montag, 23. Mai 2016

Kolumne: Von Rezensionen lernen

Von Rezensionen lernen ...

Gelegentliche Seufzer von Rezensenten oder Rezensentinnen darüber, wie schwierig der Umgang mit Autoren und/oder deren Fans mitunter sein kann, münden nicht selten in der Äußerung, ein Autor könne doch durchaus was aus Rezensionen lernen.

Setze ich mir die Rezensentinnenkappe auf, denke ich das ehrlich gesagt mitunter bei der Abfassung meiner eigenen Buchbesprechungen auch. Ha, ha, wie eitel ich doch bin!

Schwupp, die eine Kappe abgeschüttelt und die Autorinnenkappe aufgesetzt! Als Autorin denke ich bei solchen Äußerungen amüsiert: Kann man, muss man aber nicht!

Rezensenten sind keine Testleser! Klar, manchmal schreiben Testleser auch Rezensionen, das meine ich aber nicht. Meistens bekommen die Rezensenten ein Buch aber zu lesen, NACHDEM es abgeschlossen worden ist. Alles, was sie dazu sagen, ist also eine Nachschau. Der Autor ist dann längst an dem nächsten Buch dran und gar nicht offen, etwas zu lernen.

Rezensionen werden für Leser geschrieben, so sehr sich die Verfasser auch wünschen mögen, dass ein Autor etwas daraus lernt. Natürlich geht eine Rezension, sei sie kritisch, neidisch, gehässig, wohlwollend oder begeistert, nicht spurlos an einem Autor vorbei. Ich weiß nicht, ob und was andere Autoren aus Rezensionen lernen. Ich habe den Umgang mit Rezensenten gelernt. Das Sprichwort "Shit happens!" passt ganz gut dazu. Egal, wie viel Mühe man in ein Buch investiert, es wird immer jemanden geben, dem es nicht gefällt und der das ungeschminkt der Welt verkündet. Fehler kommen vor, wo man sie gar nicht erwartet und mindestens eine Person wird sie der Welt mit so gewichtiger Stimme verkünden, als ginge es um deren Untergang. Das ist auch in Ordnung so.

Ich als Leserin spüre bei der Lektüre von Rezensionen manchmal eine Art inverse Logik-Effekt. Es gibt Rezensenten bei Amazon, wenn die ein Buch mit ein oder zwei Punkten bewerten, dann kann ich dieses Buch praktisch unbesehen kaufen, und es wird mir gefallen. Mein eigenes Kaufverhalten macht es mir also etwas leichter, mit miesen Rezensionen umzugehen, die andere bei meinen Büchern hinterlassen.

Richte ich als Rezensentin meine Stimme an die Autorin, ist mir natürlich bewusst, dass das reine Fiktion ist. Meine Meinung ist auch nur eine von vielen. Deshalb behilfreiche ich Rezensionen von anderen Bloggerinnen, die ich gerne lese, oft mit einem Like, selbst wenn meine Meinung in die entgegengesetzte Richtung geht. Man kann aus Rezensionen lernen, dass Meinungen verschieden sind und man sich deshalb nicht darüber aufregen muss, wenn man mal abgewatscht wird. Die Watsche tut natürlich weh. Das mache ich aber mit mir selbst aus. Dann schaue ich auf meine Verkaufszahlen und lächele.

Gerade, weil ich beide Seiten aus eigener Erfahrung kenne, nämlich die der Rezensentin und die der Autorin, weiß ich, dass beide Seiten Bücher und Geschichten lieben. Da hört aber in der Regel schon die Gemeinsamkeit auf. Äußern Rezensenten ihre ungeschminkte Meinung, ist das gut so! Weiter so, das bringt Spaß in die Bude und für jeden ist etwas dabei!

Nur eines Kinners! Rezensenten sind nicht die Lehrer von Autoren! Schreibt eure Rezensionen, um eurer Freude an dem Buch Ausdruck zu verleihen oder auch, weil ihr euch drüber ärgert. Nur erwartet nicht vom Autor, dass er nun ausgerechnet aus eurer Rezension etwas lernt. Das kann so sein, muss es aber nicht.

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