Freitag, 20. Mai 2016

Noah von Cara Dee


Gelesen: Noah von Cara Dee
Sprache/Übersetzung: Englisch/derzeit nicht
Schwierigkeitsgrad: Einfach bis Mittel
Erotische Taktrate: Mittel
Schmelzfaktor: Teilweise herzschmelzend
Eindruck in einem Satz: Ein Buch mit mitreißenden Charakteren
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Noah ist ein beruflich erfolgreicher Regieassistent in Hollywood um die vierzig, dem von Freunden "aus der Industrie" schon mehrmals gesagt wurde, dass er endlich den nächsten Schritt wagen soll, selbst Regie zu führen. In der oberflächlichen Welt der Filmstadt ist es ihm gelungen, wahre Freunde zu finden. Nur seine Freundin Emma, mit der er seit vier Jahren zusammen ist, macht Zicken. Sie gibt fleißig sein Geld aus, meckert aber gleichzeitig rum, dass er selten zuhause ist, um es zu verdienen. Seine Angebote, dass sie ihn als Angestellte in einem Filmteam bei seinen Reisen begleitet, schlägt sie regelmäßig aus. Einmal kommt er einen Tag früher nach Hause und erwischt Emma mit einem Fremden im Bett. Natürlich schmeißt er sie hochkant raus, nimmt ihr den Schlüssel für ihren Mercedes und für das Haus und sperrt ihre Kreditkarten.

Der Schmerz um ihre Untreue ist aber nicht das Schlimmste, was er bewältigen muss. Einen Tag später kommen seine Eltern, seine Schwester, ihr Mann und deren zwei Kinder bei einem Flugszeugabsturz ums Leben. Noah bricht emotional praktisch zusammen und bewältigt seinen Alltag nur, weil der Regisseur Tennyson und seine Frau Sophie (Breaking Free Teil 1 und 2) ihm eng zur Seite stehen. Die Beerdigung übersteht er nur, weil der gerade erwachsen gewordene Stiefsohn seiner Schwester, Julian, sein Herz noch berühren kann.

Julian hält es bei seinen Großeltern väterlicherseits nicht aus, da sie zu sehr in ihrer Trauer gefangen sind, und zieht nach Los Angeles zu seinem Stiefonkel Noah. Das ist der Moment, an dem Noah seine durch den Verlust ausgelöste Sauferei wieder einstellt. Die beiden Männer kommen sich emotional näher und schlafen oft in einem Bett, weil sie sich dann gegenseitig wecken können, wenn sie Alpträume haben. Bis Noah einen erotischen Traum von Julian hat. Verwirrt zieht er sich von Julian zurück, der seinerseits geknickt reagiert. Finden die beiden Männer zusammen? Und wenn ja, darf eine Beziehung zwischen (Stief)onkel und Neffe überhaupt sein?

Na ja ... Auf dieses popelige, angebliche Tabu muss man sich schon einlassen, wenn man den Roman genießen möchte. Ehrlich gesagt kennen sich Noah und Julian kaum, weil Noahs Schwester mit ihrem Mann in Berlin lebte und Julian nur selten zu den jährlichen Familientreffen mitkam. Es ist also nicht so, dass Noah wirklich eine Art Onkelstelle bei dem damals noch minderjährigen Julian eingenommen hätte. Dennoch wird aus der Konstellation Stiefonkel/Stiefneffe ein Drama konstruiert, was zum Glück aber nicht so übersteigert wird, dass es mich über Gebühr genervt hätte. Natürlich ist es schon der Motor für bestimmte Verwerfungen, die den beiden Liebenden das Leben schwer machen.

Die Figuren wirken auf eine positive Art sehr realistisch. Zu realistisch möchte man als Leserin von Romanzen seine Figuren ja auch nicht haben, denn sie müssen ja schon noch Projektionsfläche zum Träumen und mitfiebern bieten. Realistischen Alltag haben wir selbst genug. Cara Dee gelingt es, ihre Figuren ganz natürlich wirken zu lassen und ihnen dennoch den Hauch von Romanheld mitzugeben.

Gelegentlich schweift die Autorin zu sehr in der Schilderung von absolut unwichtigen Geschehnissen ab, die einfach nur den Alltag der Charaktere darstellen, die aber für den Plot keinerlei Bewandnis haben. Bis zu einem gewissen Grad ist das sicherlich ein Trick, um die Spannung hinauszuzögern, wenn der Leser eine Antwort auf bestimmte Fragen haben möchte, der Autor sie ihm aber noch vorenthalten möchte. Es gibt Autoren, die erzählen ihre Geschichten schnörkellos ohne derartige Tricks und bleiben immer schön eng am Plot. Oder wenn sie schon so agieren, dann hat die kleine verzögernde Nebenhandlung selbst einen kleinen Spannungsbogen. Das habe ich in Noah ein wenig vermisst oder es ist mir dann nicht aufgefallen, weil ich dann anfing bis zur nächsten spannenden Stelle nur noch querzulesen.

Wenn ich so zwischendurch nörgele, wirkt es so, als hätte mir das Buch nicht so gut gefallen. Aber das Gegenteil ist er Fall. Die Charaktere sind wirklich mitreißend angelegt. Ich habe es praktisch verschlungen. Außerdem werde ich heute das dritte Buch der Autorin beginnen und die Geschichte von Tennyson und Sophie, die zeitlich vor Noah spielt, wahrscheinlich auch noch lesen. Noah ist in sich stimmig (würde Alfons Schuhbeck sagen, wenn das Buch ein Gericht wäre, was er bei Lanz kocht probiert. Ach, ich vermisse diese Sendung und nehme mir gerade jeden Tag die Wiederholungen im ZDF-Neo auf.)
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Kommentare:

  1. Oh, mir war gar nicht klar, dass es über Tennyson und Sophie auch zwei Bücher gibt. Danke für diese Info! Auf die muss ich doch sofort einen Blick werfen.
    Deine Begeisterung über Noah und Julian teile ich voll und ganz.
    LG Gabi

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    1. Sorry, wenn ich erst heute antworte. Tennyson und Sophie sind so ein schönes Paar. Ich fand Noah und Julians Buch aber besser.
      LG
      Norma

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